Alle Jahre wieder – Hürdenlauf zum Weihnachtsfest

Alle Jahre wieder – kommt Weihnachten wieder ganz unerwartet und steht scheinbar plötzlich vor unserer Tür. Dabei schleichen sich die ersten Vorzeichen bereits Ende August ein, wenn der Lebensmitteleinzelhandel die ersten Lebkuchenherzen in den Regalen platziert.

Laut einer Statista-Umfrage beginnen dann auch 7% der Deutschen im September damit, weihnachtliche Produkte im LEH zu erwerben. 17% gehen im Oktober einkaufen, Spitzenreiter ist der November mit 53% und nur noch 23% kaufen die letzten Leckereien im Dezember. Nicht zu verachten ist außerdem der immense Glühweinkonsum außerhalb der Supermärkte. Das alkoholische Heißgetränk schaffte es tatsächlich auf Platz eins der wichtigsten Dinge auf einem Weihnachtsmarkt. Etwa 75 Mio Liter Glühwein werden pro Jahr im deutschsprachigen Raum getrunken. Dabei kann ein einzelner Glühweinstand bis 100.000 € Umsatz pro Saison erwirtschaften. (statista.de)

Wer in der Weihnachtszeit den “Low-Carb”-Plan mal beiseite schiebt, dem seien hiermit die fünf großartigsten Kalorienbomben ans Herz gelegt: Kartoffelpuffer, gebrannte Mandeln, Bratwurst und Lebkuchenherzen knistern entweder vor lauter Zucker und triefen von (meist gut duftendem) Fett und schmecken bei klirrender Kälte und einem warmen Getränk in der Hand einfach himmlisch. 

Ein klein wenig gesünder kann man in der Bratapfelabteilung abschneiden. Schupfnudeln mit Sauerkraut ist eine tolle fleischlose und deutlich fettärmere Alternative zur deftigen Bratwurst und stärkt das Immunsystem mit wertvollem Kalium und Eisen. (“back to the healthy lifestyle”) 

Fernab von der Weihnachtsmarktidylle bricht aber jenseits der Fressbuden bei vielen die blanke Panik aus: Wann soll ich all die Geschenke kaufen (und wem schenke ich was?), wann noch schnell Plätzchen backen, und wird es genug verkaufsoffene Sonntage geben, die mir den letzten Nerv in all dem Gewusel der Kaufhäuser rauben werden?

Hektik und Stress gehören zum Weihnachtsfest dazu, wie die Rute zum Nikolaus. 

Wenn man bei Google die Begriffe „Weihnachten und Stille“eingibt, erhält man 5,2 Millionen Ergebnisse – die Kombination „Weihnachten und Stress“ liefert aber rund 40 Prozent mehr Treffer: 8,7 Millionen. (sueddeutsche.de/)

Hat man erstmal seine Siebensachen für den Heiligen Abend zusammen, ist die “Besinnlichkeit” noch lange nicht in Sicht.

Besuch fährt vor, – „Klingeling“ – die Familie kommt zusammen. Oma Gerti schimpft schon wie ein Rohrspatz bei ihrer Ankunft mit den Worten „Das hat es früher nicht gegeben!“ und muss gleich anmerken, dass die Stoffhose ihres Schwiegersohnes doch ein wenig eng sitzt. Onkel Fred latscht erstmal mit den dreckigen Botten über den blitzeblanken Fußboden, und der Abend nimmt seinen Lauf.

Lasset die Spiele beginnen: Die breite Palette an Fettnäpfchen-Themen breitet sich feierlich an der festlich gedeckten Tafel aus. Während dessen versucht man natürlich darauf zu achten, dass die Gans rechtzeitig gar wird und der Blumenkohl nicht zerkocht. Der Baum mit den echten Kerzen muss im Auge behalten werden, genauso wie der Hund, der sich mit seinem wedelnden Schwanz gefährlich nah an der Deko über all die Menschen freut.

Übrigens brennt im Schnitt 12.000 Mal der Weihnachtsbaum in deutschen Haushalten. Das erklärt, wieso nur noch rund 12% der Feiernden echte Kerzen auf ihren Bäumen dekorieren. (welt.de) Das beschert mit Sicherheit auch der Feuerwehr an den Feiertagen ein “Halleluja”.

Wenn dann aber alle Weihnachtshürden genommen wurden, der – dann am Ende doch gelungene – Braten, zufriedene satte Gesichter zaubern konnte, und der Baum bis zum Nachtisch immer noch steht, wird am Ende doch alles gut.

Wir können darüber lächeln, dass Oma Gerti die altbekannte Geschichte aus ihrer Jugend das zehnte Mal erzählt (und dabei spannend bleibt, denn die Ausschmückungen scheinen immer etwas zu variieren). Und selbst der Anblick von dem bereits eingeschlummerten Onkel Fred nach dem dritten Glas Rotwein hat etwas sehr Friedliches und Beruhigendes. 

Die richtige Entspannung kommt mit etwas Glück erst zwischen den Jahren. Aber das ist vielleicht auch ganz in Ordnung so. Denn was wäre Weihnachten ohne all die kleinen Eskapaden und Omas Geschichten? Sind es nicht die kleinen Dinge, die uns glücklich auf die Feiertage zurückblicken lassen? 

Spätestens zum Jahreswechsel ist der Stress schon wieder vergessen und wir können uns auf ein neues Jahr freuen, das neben vielen Überraschungen mit Sicherheit auch wieder eine turbulente Weihnachtszeit für uns alle bereit hält.